BERICHT EXPERTENTELEFON \"Wie ich lebe und sterbe, entscheide ich\" am 18.04.2013

Barrierefrei und selbstbestimmt dabei

Im Alter und im Pflegefall so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden

Ein langes und erfülltes Leben ist der größte Wunsch des Menschen. Doch das Altwerden ist nicht ohne Risiko. Viele fürchten sich vor Krankheit und Gebrechlichkeit. Auf andere angewiesen zu sein, weil man sich nicht mehr selbst helfen kann, ist für sie eine schlimme Vorstellung – auch angesichts der aufsehenerregenden Pflegeskandale der letzten Jahre. Den Lebensabend in den eigenen vier Wänden zu verbringen, das ist ein weitverbreiteter Wunsch. Dies wirft jedoch viele Fragen rund um die Betreuung, Finanzierung und Kontrolle der Pflege im Alter auf. Unsere Experten konnten jede Menge Fragen beantworten und den Betroffenen viele Tipps zur richtigen und rechtzeitigen Vorsorge geben.

Was kann ich tun, damit ich mir meinen Traum vom Alter daheim zuverlässig erfüllen kann? Das ist eine besonders zentrale Frage für alle, die nicht in ein Pflegeheim möchten. Wer sich diese Frage stellt, hat klar erkannt, dass man sich vor allem selbst um eine den eigenen Wünschen angemessene Lösung kümmern muss. Doch welche Schritte sind nötig, welche sinnvoll und welche eine gute Ergänzung?

Das Eigenheim fürs Alter fit machen

Auf die Frage, was man beachten müsse, wenn man sein Eigenheim fürs Alter und auch für die Pflege fit machen wolle, und ob der Staat dabei helfe, antwortete Bernhard Reindl: „Ideal ist es, wenn man ein Haus möglichst ‚barrierefrei‘ umgestalten kann. Dazu gehört vor allem dreierlei: Schauen Sie, wie Sie Ihren Hauszugang möglichst ohne Stufen und Schwellen verändern können – und am besten auch gleich die Terrasse. Bauen Sie eine barrierefreie Duschmöglichkeit ein, idealerweise im EG. Das WC sollte gut zugänglich sein, auch damit bei Bedarf eine Assistenzperson Unterstützung geben kann. Altersgerechte Toiletten sind in aller Regel etwas höher als der Standard. Weil Sie noch gesund sind, kommt für Sie nur eine Förderung über die KfW-Bank infrage, die altersgerechte Umbauten unabhängig vom Alter und Gesundheitszustand mit Zinssubventionen bis zu einer Kredithöhe von 50.000 Euro fördert.“

 

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Und wo bleibt die Pflegerin?

Doch ein gut vorbereitetes Haus nutzt allein noch nicht allzu viel. Besonders wichtig ist auch die eigentliche Pflege. Doch angesichts des Mangels an Pflegekräften hatten die Leser gerade zu diesem Thema viele Fragen. Zum Beispiel die, wie man bei Pflegepersonal, das beispielsweise aus Polen komme, dafür sorgen kann, dass alles mit rechten Dingen zugeht? Auch Manfred Anton hält die Rechtslage für kompliziert: „Man kann sich an größere Träger ambulanter Pflege wenden, die teilweise Kooperationen mit Vermittlern eingegangen sind und insofern ein starkes Eigeninteresse haben, dass alles mit rechten Dingen zugeht. ‚Selbstständige‘ sollte man eher nicht beschäftigen, weil es sich dann letztlich um eine Scheinselbstständigkeit handelt. Auf der sicheren Seite ist man, wenn man sich eine Hilfe über die Arbeitsagentur vermitteln lässt, die dann allerdings nur im hauswirtschaftlichen Bereich tätig sein darf.“

Die Finanzierung muss gesichert sein

Doch auch die Pflege daheim geht ins Geld und muss genau wie andere Wohnformen – zum Beispiel die Senioren-WG oder das Pflegeheim – finanziert werden. An Pflegezusatzversicherungen besteht daher ein großes Interesse. Peter Straßer vom Münchener Verein erklärt, wie so eine private Versicherung funktioniert: „Die Beiträge in der privaten Pflegezusatzversicherung – zum Beispiel für eine Pflegetagegeldversicherung – richten sich nach dem Eintrittsalter der versicherten Person und dem beantragten täglichen Pflegetagegeldsatz. Über den Abschluss einer individuell angepassten Pflegetagegeldversicherung – wie in einem Baukastensystem – kann man je nach Geldbeutel und Größe der Pflegelücke seinen Pflegeschutz wählen. Neu ab Januar ist die staatliche Förderung mit fünf Euro im Monat, dem sogenannten „Pflege-Bahr“, den alle Nichtpflegebedürftigen ab 18 Jahren ohne Gesundheitsfragen beantragen können. Einfach bei einem privaten Krankenversicherer nachfragen – der regelt von der Beantragung der staatlichen Förderung über das individuelle Angebot bis hin zur späteren Leistung im Pflegefall alles.“

Alles gut vorbereitet!

Auch die Ausstattung des Haushalts, in dem eine pflegebedürftige Person versorgt wird, muss gut durchdacht werden. Annette Bubans erklärte, dass es im Rahmen der Pflege viele Möglichkeiten gebe, die von der Pflegekasse und von der Krankenkasse auch zu Hause zur Verfügung gestellt werden könnten: „Hilfsmittel wie ein Pflegebett oder ein Badewannenlifter können bei medizinischer Notwendigkeit auch ohne Pflegebedürftigkeit genutzt werden. Wurde eine Pflegebedürftigkeit festgestellt, kann man in der Pflegeversicherung unter verschiedenen Leistungen wählen. Das Pflegegeld wird gezahlt, wenn die Pflege durch private Personen wie Verwandte, Nachbarn oder bei Ihnen angestellte Pflegekräfte sichergestellt ist. Die Pflege könne auch von einem ambulanten Pflegedienst unterstützt oder übernommen werden. Je nach Pflegestufe stünden dabei unterschiedliche Beträge zur Verfügung.“

INFOKASTEN

Weitere Informationsquellen für Interessierte:

  • Kostenloser Download eines Pflege-Ratgebers sowie Informationen zu Pflegeversicherung und Pflege-Bahr: www.deutsche-privat-pflege.de
  • Fragen und Antworten aus dem Chat zum Thema „Barrierefrei und selbstbestimmt dabei“: www.experten-im-chat.de
  • Auf www.beratungsstelle-wohnen.de gibt es praktische Tipps für Senioren, die im Alter in den eigenen vier Wänden wohnen möchten.
  • Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. - kurz bpa – präsentiert auf www.bpa.de viele Hintergrundinformationen.

Am Telefon saßen für Sie:

Manfred Anton, München, Geschäftsführer der Astra Ambulante Pflege GmbH, Experte auf dem Gebiet der ambulanten und stationären Pflege

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Peter Straßer, Experte für Leistungen der privaten Pflegeversicherung bei der Münchener Verein Versicherungsgruppe

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Annette Bubans, Frankfurt/Main, Pflegeberaterin der Deutschen BKK, Expertin für Problemlösungen im Zusammenhang mit Pflegebedürftigkeit

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Bernhard Reindl, München, Diplom-Sozialpädagoge und Betriebswirt, Bereichsleiter Wohnen im Alter und bei Behinderung im Verein Stadtteilarbeit e.V., Experte für das Wohnen im Alter

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Quelle: deutsche journalisten dienste (djd),
Gesundheitsthemen